






Es gibt viele Versuche, ein Charakteristikum einer Gesellschaft herauszugreifen und daraus einen Begriff abzuleiten, der einen bestimmten Aspekt dieser Gesellschaft beschreibt. Die Verwendung des Begriffs „Mediengesellschaft“ verweist zum Beispiel auf die einfache Möglichkeit der Manipulation durch die Medien und der Begriff „Informationsgesellschaft“, dem auch dieser Ansatz, ein Merkmal der Gesellschaft in Worte zu fassen, nahe kommt, beschreibt die Möglichkeit der Menschen, sich Zugang zu nahezu jeglichem Wissen zu verschaffen.
Meiner Meinung nach lässt sich die derzeitige Situation sehr gut mit dem wunderschönen Ausdruck „Netzgesellschaft“ einfangen. Die Rolle, die das Internet in unserem alltäglichen Leben spielt, wird immer bedeutender und es führt dazu, dass immer mehr der konventionellen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten an Bedeutung verlieren. Wenn man früher eine Absprache mit jemandem treffen wollte, nahm man das Telefon zur Hand, suchte die Nummer der entsprechenden Person heraus und teilte ihr das Anliegen eben in gesprochener Form mit. Heute doppelklickt man sie eben auf der Kontaktliste, tippt das Anliegen und kommuniziert in Textform.
Die Tatsache, dass plötzlich Aussagen des nicht unmittelbaren Gegenübers in Echtzeit auf dem eigenen Monitor erscheinen, war früher noch furchtbar aufregend, abenteuerlich und vielleicht sogar ein wenig fremdartig. Heute ist dies aber zumindest unter Jugendlichen zum absoluten Standard geworden, der sich durch den Fortschritt der Generationen in absehbarer Zeit auf die ganze Gesellschaft übertragen wird. Besonders in Sprache und Ausdruck hat es durch die Umstellung auf dieses Medium Neuerungen gegeben, die sich als Netzkultur beschreiben ließen.
Zwar hat sich die Kommunikation eben durch Instant Messaging als Alternative zum Telefonieren, die E-Mail als Alternative für herkömmlichen postalen Schriftverkehr und Fax, die Internettelefonie als Ersatz für das kostenpflichtige oder geographisch eingeschränkte Telefonat oder komplette Neuschöpfungen wie Twitter um einen unbeschreibbar großen Faktor weiterentwickelt, jedoch macht dies allein die Netzgesellschaft nicht aus: Auch im Finanzbereich und im Bereich der Freizeitplanung werden herkömmliche Mittel durch das Internet ersetzt. So werden Überweisungen statt auf Papier mittels Onlinebanking getätigt, Reisen werden online gebucht und Verträge über das Internet geschlossen.
Meiner Meinung nach gibt es sonst keine Neuerung, die ihre Auswirkungen so bereichsunabhängig und allumfassend zeigt, sodass es nicht fern liegt, eine Gesellschaft damit zu charakterisieren. Unsere Zeit ist von der Relevanz des Internets geprägt und seine Weiterentwicklung hat sehr viele Änderungen in Verhalten und Gewohnheiten bewirkt, sodass ich den Ausdruck Netzgesellschaft oder Internetgesellschaft für äußerst zutreffend halte.
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Autor: Sebi | Update: 19.06.'09 | Nach oben | Kommentieren | Impressum | Mitmachen | Zufall
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